Kindern Flügel geben oder sie stutzen

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Wenn dein Kind in eine höhere Schule geht und es dann aber den Wunsch verspürt diese abzubrechen (1 Jahr vor dem Abschluss), um seine eigenen Ideen, Wünsche und Vorstellungen zu verwirklichen, was machst du?

Aufschreien, toben und darauf bestehen, dass es die Schule weiter besucht und den Abschluss macht? Wobei hier natürlich auch nicht gesagt ist, dass der Abschluss, also die Matura (in Deutschland das Abi 😉 ) von Erfolg gekrönt ist. Also nicht von den Noten her, sondern vom Bestehen. Es zwingen, die Schule weiter zu besuchen?

Oder dem Kind zustimmen und sagen: „Du mach nur, absolut kein Problem. Dann machst eben was anderes. Du bist alt genug (18, 19 Jahre) und weißt selbst, was das Beste für Dich ist“?

Nun, diese Fragen beschäftigten schon ein Weilchen. Gut, es wurde weder getobt, noch geschrien und schon gar nicht gezwungen. Man möchte seinem Kind ja doch das Beste ermöglichen, es soll es doch einmal „besser“ haben, als man es selbst hatte. Es soll nicht so hart arbeiten müssen, nicht von Anfang an sich mühsam, Steinchen für Steinchen nach Oben kämpfen müssen. Was heisst aber schon „Oben“? Das man dann ausgesorgt hat, dass man sich jede Wohnung, jedes Auto, jeden Wohlstand sich leisten kann? Und dann aber dennoch unglücklich ist? – Denn, Geld ist mit Sicherheit wirklich nicht alles.

Reich und glücklich und gesund!

Das wärs, wenn…wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Aber dann wäre es ja viiiel zu einfach im Leben 😉

Einige Herausforderungen müssen schon sein. Sonst langweilt man sich ja nur. Und ja, ich nenne seit einiger Zeit eventuelle Probleme, Hindernisse und Hürden einfach nur mehr Herausforderungen. Und diese meistert man um einiges leichter, als übergroße Probleme, welche sich wie überdimensionale Mauern vor einem aufbauen. Herausforderungen sind ok.

Also was tun? Das Umfeld fragen? Der besten Freundin erzählen? Sich woanders einen Rat holen? Und wenn, dann wo?

Wenn das eigene Kind schon alle Zustände bekommt, wenn es nur an die Schule denkt, möchte man es ja auch nicht leiden sehen. Und es ist ja auch nicht so, dass es dann nichts tun möchte und nun den lieben langen Tag im Bett lümmelt und die kommenden Jahre im Hotel Mama wohnen möchte. Nein, im Gegenteil!

Die Pläne sind groß. Da ist von Selbständigkeit die Rede, von einer anderen Schule, wo man genau das lernt, was man konkret für die Umsetzung der Pläne braucht. Der Haken: es wäre eine Privatschule und die ist..erraten- teuer! Zu teuer! Denn Mama, alleinverdienend und alleinerziehend, hat einen, zwar interessanten, aber doch einen normal bezahlten Job…oder so.. Normal bezahlt, heisst in dem Fall, eher im unteren Bereich, aber ok. Es gibt ein Dach übern Kopf, es ist warm, es ist genug zu Essen da und für jedes Buch sowieso 😉 – also alles easy! Nur für eine Privatschule reicht es leider nicht. Zu allem Überfluss fallen mit einem Schulabgang gleich auch noch einige Hilfestellungen weg (z.B. Familienbeihilfe und noch ein wenig mehr) – System, i love you :-/

Schulabbruch – das Leben ist versaut!

Ist das so? In einer Diskussion hieß es, ohne Matura kommt man nicht weiter. Ohne Matura hat man keine Zukunft. Aha,..also mit Matura bekommt man automatisch einen Job? Einen gutbezahlten Job? Der einen noch dazu mit Freude erfüllt?

Nein! Garantien gibt es keine. Die gibt es nirgends. Kein Mensch auf der Welt kann eine Garantie geben, dass es nach dem Abschluss und mit diesem in der Tasche auf einmal alles wunderbar und toll ist. Wieviele sind dann arbeitslos gemeldet? Wieviele gehen dann vorübergehend in eine Fabrik arbeiten oder nehmen irgendeine Arbeit an, nur damit sie etwas haben? Vorübergehend,..nur solange, bis ich etwas anderes gefunden habe..jaja..is klar. Andere studieren, oft lange, oft sehr lange. Bis sie überqualifiziert sind und dann erst wieder..ach, es ist nicht einfach.

Wozu sind Eltern da? In diesem Fall, wozu ist der Elternteil, der das Kind großgezogen hat, überhaupt da?

Um seinem Kind Wurzeln zu geben, damit es sich immer zu Hause, es sich geborgen und sicher fühlen kann. Und um ihm Flügel zu schenken, damit es in die weite Welt fliegen kann, hoch, höher, am höchsten. Um seine Träume lebendig werden zu lassen.

Und ich denke, dass ein Stück Papier nicht die Macht haben sollte, um über ein Leben zu entscheiden, über Glück oder Unglück, Freude oder Trauer, Sein oder Nichtsein.

Was einzig und allein zählt, ist, dass Glück eines Menschen, seine Zufriedenheit, die innere Ausgeglichenheit! Und wenn es sich dabei um das eigene Kind handelt, freut man sich als Mama ja  extra, wenn es ihm gut geht. Ich  wünsche ihm das höchste Glück auf Erden!

Ich stutze keine Flügel! Jedes Kind hat sein eigenes Leben, seine eigenen Vorstellungen und Träume und nicht die der Eltern. Zumindest jedes selbständig denkende Wesen. Und wenn Eltern dies anders sehen, sollten sie sich besser einen Hund zulegen, den sie dressieren können, damit er alles tut, was man ihm sagt. Also jene Eltern, die in ihren Kindern einfach nur Möglichkeiten sehen, ihre eigenen nicht befriedigten Lebensvorstellungen und Egowünsche, umsetzen zu können. Wo die Kinder nichts zu bestimmen haben.

Flügel zum Fliegen!

Wir schaffen das! ❤

 

 

 

 

 

 

 

 

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8 Gedanken zu “Kindern Flügel geben oder sie stutzen

  1. Deine Haltung in dem Fall finde ich richtig toll, Hut ab!

    Meine Eltern wollten von mir zu meiner Zeit (ich bin heute 58) nichts anderes als dass ich die Grund- und Hauptschule besuche, also den Mindestschulabschluss und dann eine Lehre. Ich selbst wollte mehr, also durfte ich auf die Realschule gehen. Dann hing ich aber teilweise ganz schön drin mit den vielen Hausaufgaben Nachmittags und dem Lernen. Das hatte ich davor nie müssen. Ich war Klassenbeste gewesen, einfach so. Zu dem zusätzlich nachmittäglichen Lernen kam, dass ich psychische Probleme hatte, weil ich anders zu sein schien, meine Familie war in einer Sekte.

    Als ich dann auch ein Jahr vor der Mittleren Reife zu meiner Mama sagte, ich möchte gerne abgehen, es wird mir alles zuviel, stand sie zu mir und sagte: „Ich unterstütze dich. Wir schauen was machbar ist. Wir suchen eine Lehrstelle für dich, das ist in Ordnung.“

    Letztendlich fanden wir keine Lehrstelle für den von mir gewünschten künstlerischen Beruf der Keramikmalerin und ich machte die Realschule mangels Alternative doch fertig. Aber allein die Tatsache, dass sie zu mir gestanden war, anstatt einfach mit Verboten oder Drohungen zu arbeiten, war ganz wichtig für mich.

    Meine Mama hat vieles falsch gemacht, aber das hat sie wirklich richtig und gut gemacht.

    Und es liest sich so, dass du das auch tust. Nach den vorhandenen Möglichkeiten! Ja, gib deinen Kindern Flügel, anstatt irgendein Ideal durchzudrücken, das nicht deines ist. Und du hast ganz Recht: Auch die Matur ist kein Garant für ein glückliches Leben, auch wenn es von noch so vielen so angesehen wird. Das ist es beileibe nicht. Weiter so! Kinder brauchen selbst denkende starke Begleiter.

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    • Danke dir liebe Marion für diese sehr wohltuenden und offenen Zeilen. Ich freue mich, dass du damals das Glück hattest eine verständnisvolle Mutter zu haben. Hätte dann erwartet, als es dann doch nicht so funktionierte wie gedacht, dass dann eine Aussage kommt, wie..ich habe es dir doch gesagt.- War bei dir aber nun nicht so, finde ich schön! Bei mir war es damals leider etwas anders (ich bin 52 Jahre jung) und ich wollte auch unbedingt nach der Volksschule eine weiterführende Schule besuchen (damals musste man sich ja schon sehr früh entscheiden), doch meine Eltern meinten, was, wenn du es nicht schaffst. Tja, was wäre dann gewesen…wahrscheinlich wäre an diesem Tag die Erde untergegangen 😉 also besuchte ich dann die Hauptschule. Tja..Meinem Sohn erging es übrigens in der Zwischenzeit sehr gut, zwar keine Selbständigkeit, doch er hatte danach eine einzige Bewerbung geschrieben gehabt und..wurde angenommen. Genau in dem Bereich, wo er sich es gewünscht hatte, ohne Matura. Seine Freundin, wo es bei ihr damals familienmäßig auch heftigen Streit gegeben hatte, weil sie ebenfalls die Schule abgebrochen hatte, hatte zwar ein paar Anläufe, doch bald darauf begann sie eine Lehre und ist glücklich damit. Dafür suchen einige der ehemaligen Klassenkollegen heute noch eine Arbeit. Tja, .. mein Sohn wohnt nun mit seiner Freundin in einer eigenen Wohnung, beide Führerschein, Auto, doch am schönsten ist es, dass sie nun beide glücklich und zufrieden mit ihrem Leben sind und das ist für mich das wichtigste. Somit habe ich auch im Nachhinein noch die Bestätigung, dass die Entscheidung richtig war 🙂 – Ui, jetzt ist es bei mir ein Roman geworden. Aber ich hatte mich nun auch so über deinen Kommentar gefreut, dass es nur so herausgesprudelt ist 😀 – Glg Herta ❤

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      • Liebe Herta,
        jetzt hab ich mal geschaut, von wann der Beitrag ist – ach so! Darauf hatte ich nicht geachtet. Prima, dass dich mein Kommentar trotzdem gefreut hat. Und siehste, alles gut gegangen. Guten Weg genommen, heute zufrieden mit der Lebenssituation, was will man (Eltern) mehr? 😉

        Schade, dass deine Eltern dir eher Angst machten anstatt dich zu unterstützen. Und dass du es dir dann nicht zugetraut hast, obwohl du es gewollt hättest.

        Meine Eltern hatten mir auch Angst gemacht und gesagt, weißt du überhaupt wieviel du dann lernen musst, das musst du dann alles alleine schaffen, wir können dir dabei nicht helfen. Aber ich machte es trotzdem.
        Und Gott sei Dank kam kein dummer Kommentar von wegen: Wir haben es dir ja gleich gesagt.
        Für mich war immer wichtig das auszuprobieren, was ich wollte. Auch wenn ich es später änderte. Aber immerhin wusste ich dann genau warum.

        Ich hab dann später auf dem zweiten Bildungsweg sogar noch das Abitur nachgemacht und auch zu studieren angefangen (Psychologie). Aber da wurde schnell klar, dass das eine Nummer zu groß ist für eine alleinerziehende Mama, die auch mit dem Lebensunterhalt von 3 Personen allein zuständig ist, und dass der Uni-Alltag anders aussah als ich das gedacht hatte. Es schien auf einmal gar nicht mehr anziehend, diesen Weg zu gehen. Die jungen Männer wurden protegiert, die Frauen teils eher belächelt. Aber ich bin froh es probiert zu haben. Und meine Eltern sagten mir erst, als ich damit aufhörte, sie seien froh da drüber.

        Liebe Grüße
        Marion

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        • Liebe Marion, dies ist immer ein zeitloses Thema. Und gerade wenn etwas Zeit vergangen ist, kann man dann schön erkennen, was daraus geworden ist. Sogar die Freunde meines Sohnes rieten ihm damals ab und als er ein eigenes Spiel programmieren wollten, schlugen alle die Hände übern Kopf zusammen. Viel zu riskant usw. Was hatte er zu verlieren? Genau.- Zugetraut hätte ich es mir damals schon, allein, ich durfte nicht. Und,..witzig..ich wollte auch Psychologie studieren 😀 meinen Sohn bekam ich erst als so genannte Spätgebärende, doch hätte ich den vormals gewünschten Weg eingeschlagen, hätte ich meinen Sohn vielleicht gar nicht bekommen können, da ich seinen Vater dann wahrscheinlich nicht kennen gelernt hätte, so hat alles sein gutes! ❤ – Glg Herta

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          • Genau, mit Abstand kann man mehr sehen und manchmal auch Sinn und Zweck von bestimmten Ereignissen erkennen und Frieden damit schließen. Unsere Seele redet ja im Idealfall auch noch ein Wörtchen mit, wenn wir nicht völlig taub für ihre Sprache geworden sind.

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