Wie viele Zentimeter hast du noch?

Die statistische Lebenserwartung liegt in Österreich aktuell bei MĂ€nnern bei 79 Jahren und bei Frauen bei 84 Jahren, plus-minus (kleiner Hinweis am Rande, in Wien soll es sich bei beiden Geschlechtern um ein Jahr verringern- GrĂŒnde waren keine explizit angegeben).

Ganz genauer Durchschnitt von MĂ€nnern und Frauen betrĂ€gt 80,89 Jahren (Stand 2016) in Österreich. In Deutschland 80,64 (ebenfalls Stand 2016). Die Zahl erhöht sich jedes Jahr, da wir Jahr fĂŒr Jahr Ă€lter werden..also, statistisch gesehen.

Gut, wir werden also, mit etwas GlĂŒck, 80 Jahre alt. Was bedeutet das nun fĂŒr dich, dein Leben?

Wie alt bis du jetzt? Wie viel bleibt dir noch? Ich weiß, das ist ein Thema, worĂŒber vielleicht nicht viele Menschen sprechen möchten. Man verdrĂ€ngt es gerne, schiebt es beiseite. Ja, jeder weiß, dass man irgendwann mal sterben muss. Irgendwann einmal…

Jeder Mensch weiß dies, dennoch ist es den wenigsten Menschen bewusst, dass sie tatsĂ€chlich sterblich sind und es jeden jeden Moment dahinraffen könnte. Doch bleiben wir bei der Statistik.

Nimm dir jetzt bitte ein Metermaß oder wenn du keines zur Hand hast, ein Lineal und messe 80 cm ab. Markiere die Null und die 80. Am eindrucksvollsten ist es, wenn man einen Streifen ausschneidet. Nun markiere dein aktuelles Alter und schneide es an diesem Punkt ab. Siehe dir nun den verbleibenden Rest an. Wie viel bleibt dir noch? Statistisch gesehen? NatĂŒrlich kannst du auch um einiges Ă€lter werden, etwas, was ich jedem Menschen von Herzen wĂŒnsche, dennoch wird es doch einmal den Zeitpunkt geben, wo wir alle einmal gehen mĂŒssen.

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Ich muss mir wiederholt meine eigene Sterblichkeit bewusst machen. Trotz Burnout und Krebsdiagnosen. Wieder und wieder (das Bewusstmachen!). Man verdrĂ€ngt es trotz vieler ..hmm..Hinweise, Fingerzeige, Aufmerksam-machen, ..da der Alltag einen wieder extrem rasch einholt. Die WĂ€sche soll noch gemacht werden, diese Rechnung noch bezahlt, oh, Katzenfutter ist schon gleich wieder aus, Brot brauch ich auch noch, der Arzttermin ist auch schon wieder fĂ€llig und und und. Da soll man sich auch noch darum kĂŒmmern, dass es mich vielleicht bald nicht mehr gibt? Also bitte. Was denn noch alles?

Obwohl jetzt die ungemachte WĂ€sche sicherlich nicht das eigene Leben bereichert, verschönert oder was auch immer. Man macht sie eben. Man macht den Haushalt. Bei manchen Personen könnte man vom Boden essen. Bei mir nicht. Also, je nachdem, was man bei mir am Boden noch zu Essen findet .. 😉 NatĂŒrlich halte ich auch meine Wohnung in Ordnung, und wenn man mich besucht, muss man nicht ĂŒber MĂŒllberge oder sonstiges steigen, dennoch ist es nicht mein Lebensinhalt. Es gibt wichtigeres.

Momente genießen, reisen (bitte kommt mir jetzt nicht, dass ihr euch das nicht leisten könnt, ich habe aktuell wirklich nicht viel Geld, dennoch kann ich mal zu einem See fahren, oder einen Tagesausflugs ans Meer machen, es muss ja jetzt nicht die Luxus Kreuzfahrt um die Welt sein, es genĂŒgen oft schon kleine Auszeiten), in Ruhe ein Buch lesen, meditieren, ein Bild malen, einen lieben Menschen treffen – aber auch, mal Nein sagen können. Wenn man etwas nicht tun möchte, sich den Luxus gönnen und einfach Nein sagen. Oder sagen, dass man es sich noch ĂŒberlegen muss (auch etwas, was ich lernen musste – die Gewohnheit von jahrelangem Zustimmen Ă€ndert man nicht innerhalb weniger Stunden).

Nun siehe dir deinen Streifen an und ĂŒberlege dir, was du mit deiner restlichen Lebenszeit machen möchtest?

Willst du etwas Ă€ndern? Wenn ja was? Bist du glĂŒcklich? Geht es dir gut? Wachst du neben dem Partner auf, neben dem du aufwachen möchtest? Wenn nein, warum nicht? Wann hast du dir das letzte Mal Zeit fĂŒr dich gegönnt? Wann hast du das vor? Beginne mit einer Stunde, zwei Stunden, einem Nachmittag, einem Tag – du wirst sehen, auch wenn es fĂŒr dein Umfeld vielleicht noch ungewohnt ist, anfangs, so ist es dennoch möglich.

Es ist DEIN Leben!

Jeder stirbt schlussendlich fĂŒr sich alleine. Da kĂŒmmert es keinen, ob die Fenster immer geputzt waren, oder die WĂ€sche gebĂŒgelt (etwas, was ich ĂŒbrigens schon lange nicht mehr mache, nur in besonderen AusnahmefĂ€llen 😀 ) – oft heißt es dann am Grab, sie/er hats auch nicht immer leicht gehabt – schade, schon so frĂŒh von uns gegangen – hat immer nur gearbeitet – war wirklich sehr fleißig…

Öhm ja, – bei mir soll es bitte mal heißen- sie hatte alles andere als ein leichtes Leben, doch sie hat das Beste daraus gemacht. Ok, sie hat vielleicht ein wenig spĂ€t damit begonnen (statistisch gesehen, bin ich ja schon ein Weilchen ĂŒber die statistische Mitte drĂŒber), doch sie hat es dann richtig gemacht, das Leben genossen, bis zum letzten Moment. Sie hatte Spaß am Leben und Freude auch an kleinen Dingen (auch wenn es fĂŒr mich bezĂŒglich – Spaß am Leben- noch einen extra kleinen Depri Hinderungs,  Hintergrund gibt), so ist es dennoch in der restlichen Zeit machbar.

Achte auf dich! Auf dein Leben. Jaaa, Carpe diem ist schon ziemlich abgedroschen, dennoch ist ein – Nutze den Moment – nach wie vor brandaktuell.

❀

Und wenn ich mit diesen Zeilen nur einen einzigen Menschen dazu bewegen konnte, darĂŒber nachzudenken UND! jetzt etwas zu machen, damit es ihm besser geht, er sich glĂŒcklicher, leichter, freier fĂŒhlt, so habe ich mein Ziel erreicht.

Danke!

❀ ❀ ❀

 

 

4 Gedanken zu “Wie viele Zentimeter hast du noch?

  1. Oooh, ja, liebe Herta, das ist ein Thema, das man gerne verdrÀngt! Auch dann noch, wenn man schon nicht mehr in so jungen Jahren ist und die Zeit wirklich absehbar wird.
    Aber ein Leben will gelebt werden, und da kann ich dir nur ehrlich zustimmen, es kommt auf andere Dinge an als geputzte Fenster oder Ă€hnliches! Bei mir kann man wohl vom Fußboden essen, da liegt genug rum, lach! Wie ich gelesen habe, ist das bei dir Ă€hnlich! Weißt du, worĂŒber ich mich gerade sehr gefreut hab beim nachdenken, was wichtig ist bzw. war? Als mein Sohn noch klein war, da hab ich die Zeit in vollen ZĂŒgen mit ihm genossen, ohne mich mit Haushalt und perfekter Hausfrau und Mutter zu stressen, ich hab ihn nicht begluckt, aber wir hatten eine wunderbare Zeit, wovon ich heute profitiere! Weil ich die Erinnerungen habe! Und die hab ich, weil ich gelebt und nicht geschuftet habe. Arbeiten, um sein Auskommen zu haben, muß wohl jeder, aber irgendwann kommt auch die Zeit ohne Arbeit, und die sollte man dann wirklich noch so richtig genießen und nutzen. Wenn ich mir vorstelle, was ich so hören möchte nach meinem Abgang, da fĂ€llt mir dann sofort (wie könnte es anders sein, lach!) Reinhard Mey ein, sein Lied „Mein Testament“, genauso! Vielleicht magst du mal reinhören? Oder kennst es vielleicht auch!

    Carpe diem ist noch immer modern und gĂŒltig!!! Danke fĂŒr den guten, nachdenklichen Eintrag, komm gut wieder in die neue und hoffentlich schöne Woche, ganz liebe GrĂŒĂŸe
    Monika.

    GefÀllt 1 Person

    • Danke liebe Monika, auch fĂŒr den musikalischen Beitrag, das Lied kannte ich von ihm noch nicht. Auch ich habe die Zeit mit meinem Sohn sehr genossen (auch wenn mir nun die Jahre fĂŒr die Pension abgehen, möchte ich diese Zeit um nichts auf der Welt missen). Am liebsten wĂŒrde ich die Zeit zurĂŒckdrehen, damit ich sie nocheinmal, noch um einiges bewusster miterleben darf. Die Zeit rast ja so immens schnell. Nun ist er erwachsen und wir haben nach wie vor ein tolles VerhĂ€ltnis zueinander. Man sollte sich wirklich jeden Moment oder so viele wie möglich, bewusst machen. Und wenn es einem nicht gut geht, etwas daran Ă€ndern, damit man wieder lachen kann. DrĂŒck dich- alles Liebe

      Liken

      • Da geht es mir wie dir, mit der Pension bzw. bei uns Rente! Und ich möchte die Zeit auch um nichts in der Welt missen!!! Ja, das ist leider so, die Zeit rennt, und je Ă€lter man wird, desto schneller! Ich hab zu meinem Sohn auch so ein tolles VerhĂ€ltnis und auch zu meiner Schwiegertochter, das ist so schön! Die Kinder waren ja heute bei mir und mein Sohn hat den PC wieder gerichtet, nun lĂ€uft alles wieder, freu, freu! Es war so ein schöner Tag zusammen, ich hab ihn genossen!
        Ich drĂŒck dich lieb zurĂŒck, alles Liebe und ganz liebe GrĂŒĂŸe
        Monika.

        GefÀllt 1 Person

        • ჊ ♄ Danke liebe Monika, ja, aktuell bin ich daheim, ab Feber muss ich wsl wieder arbeiten gehen, steht noch in den Sternen, wie es mir dann gesundheitlich geht. Ich finde es schön, wenn man zu seinen Kindern ein so tolles VerhĂ€ltnis hat, kĂ€me es bei mir zum Bruch mit meinem Sohn, wĂ€re es fĂŒr mich das Ende. Finde ich auch toll, dass dir dein Sohn nun mit dem PC geholfen hat und er nun wieder einwandfrei funktioniert- WĂŒnsche dir einen wundervollen Dienstag ჊ ♄

          GefÀllt 1 Person

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