Depression: Was hilft? Was hilft nicht?

Man meint es ja nur gut und möchte helfen, weiß aber nicht wie. Andere Personen denken, dass dies ja nicht so schlimm, und nur Einbildung ist. Depression ist eine Krankheit. Ich kann es nicht oft genug wiederholen.

Damit wären wir auch schon beim ersten Punkt:

Reiß dich zusammen.

„Wir haben alle solche Tage, reiß dich doch zusammen, mir gehts grad auch nicht so gut ….“ Nicht hilfreich und am Thema vorbei. Man kann sich nicht einfach zusammenreißen. Hat man sich einen Fuß gebrochen und hat Schmerzen, wäre die Bemerkung auch nicht hilfreich. Hier schmerzt die Seele.

Anderen Menschen geht es schlechter als dir.

Schon richtig, jedoch wüsste ich nicht, wie mir dies in meiner Situation nun helfen soll. Sei dankbar, was du hast. Man ist ja dankbar, doch gerade bei Depressionen ist es oft auch so, dass man dadurch den Job verliert, die Wohnung und die Rechnungen nicht mehr zahlen kann und dies sind ebenso Gedanken, welche man sich macht. Zudem impliziert es auch den Hintergrundgedanken, dass man selbst schuld an seiner „Misere“ ist. Ein hungerndes Kind in Afrika ist ebenso wenig selbst schuld an seinem Schicksal und würde auch alles dafür tun, damit es ihm besser geht. Abwärtsvergleiche helfen, allerdings nur bei alltäglichen Sorgen, nicht bei einem Krankheitsbild.

Geh raus und triff dich mit Freunden

Wenn man könnte, würde man dies auch tun. Man ist in so einer Situation wie blockiert. Oft ist es bereits eine enorme Herausforderung um die Wohnung in Ordnung zu halten oder um einkaufen zu gehen, Dafür müsste man die Wohnung verlassen und in der Wohnung fühlt man sich oft geschützt. Viele schaffen es nicht einmal, um aufzustehen, geschweige denn um mit Freunden Party zu machen. Viele Freundschaften gehen dadurch zu Bruch, weil das Umfeld nicht versteht, was nun überhaupt los ist. Bewegung und ein geregelter Ablauf tun natürlich gut, jedoch fühlt man sich nicht oft in der Verfassung dies umzusetzen.

Du bist egoistisch

Suizidgedanken? Du weißt schon, dass dies egoistisch ist? –

Vielleicht möchte man der Person damit sagen, dass man sich Sorgen um sie macht, mit dieser Aussage jedoch treibt man den Menschen noch weiter weg. Die depressive Person wird ihre Gedanken nicht mehr teilen und in einigen Fällen, führt dies dann auch tatsächlich zum Selbstmord. An dieser Stelle auch gleich eine Richtigstellung einer fälschlichen Annahme: Wenn jemand Suizidabsichten äußert, nehmen dies andere Personen oft nicht ernst, weil sie der Meinung sind, jemand, der das sagt, macht es ohnehin nicht. Das ist falsch! Nicht alle Menschen, die dies äußern, bringen sich um, doch es sind mehr, als allgemein angenommen wird. Suizide werden von Menschen vollzogen, die es nie in ihrem Leben geäußert haben, die es einmal sagen und auch von jenen, die es öfter mitteilen. Es ist in jedem Fall ernst zu nehmen.

Was kann ich tun?

Zuhören

Ernst nehmen

Das Gefühl vermitteln, da zu sein

Hilfe und Zeit anbieten

Professionelle Hilfe suchen

Nicht urteilen

Gib den Menschen nicht auf. Wenn er/sie in diesem Moment nicht antwortet, abhebt, zurückruft – so ist es ihm/ihr zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Wichtig dabei ist, dass man es zu anderen Zeiten versucht und nicht den Kontakt ganz abbricht.

Nicht nach der Ursache suchen. Es gibt nicht immer einen konkreten Grund dafür. Nicht immer ist eine Krise in der Partnerschaft oder Probleme im Job der Auslöser, man kann auch ohne einen speziellen Grund in Depressionen verfallen.

Antidepressiva sind kein Allheilmittel. Nimm es und gut ist. Diese Medikamente wirken oft erst nach Wochen und können anfangs die negativen Gedanken zudem noch verstärken. Vielen Menschen helfen sie, vielen nicht. Und dies sollte jedem Einzelnen selbst überlassen werden, ob er sie einnimmt oder nicht. In akuten und tiefen Phasen unbedingte Absprachen mit dem Arzt und Psychotherapeuten bzw. Psychiater suchen.

Menschen, die sich vorübergehend Hilfe in einer psychiatrischen Klinik suchen, sind nicht verrückt. Auch wenn es in der heutigen Zeit schon viel besser geworden ist, sehen es manche Menschen leider noch immer so, dass, wenn man einen Aufenthalt in einer Klinik wählt, man ja – gaga – sein muss. Nein! Man nimmt einfach professionelle Hilfe in Anspruch. Etwas, was man bei einem körperlichen Gebrechen ja auch tun würde.

Verfalle nicht dem Irrtum, dass, wenn du siehst, wenn eine depressive Person lacht und guter Dinge ist und Spaß hat, dass nun alles wieder „gut“ ist. Es gibt verschiedene Phasen. Ist die Depression überwunden, ist das wunderbar, doch es können auch nur Momentaufnahmen sein. Ein lachender Mensch kann dennoch sehr tiefsitzende Depressionen haben.

Eine Depression an sich ist keine Phase! Man muss es nicht einfach nur aussitzen und weg ist sie. Oft muss man viel an sich arbeiten. Glaubt mir, dass ist eine der schwersten Dinge überhaupt. Blockaden kommen hoch, literweise Tränen kommen zum Vorschein, man hat den Eindruck, dass es nie besser werden wird und sieht auch keine Zukunft. Es wird besser! Es braucht aber seine Zeit. Und es dauert, so lange es dauert! Bei manchen Menschen einige Wochen oder Monate, bei anderen Jahre und es gibt Menschen, die haben es ihr Leben lang. Sag also nicht, jetzt bist du schon seit 3 Wochen, 4 Monaten, 1 Jahr so,…jetzt ist es genug! So funktioniert das leider nicht.

Sei einfach für den Menschen da!

Und dann kann man sich langsam an verschiedene Möglichkeiten herantasten – wie regelmäßiges Hinausgehen, Spazieren gehen, kurze Trips, Routine in den Alltag bringen, Sport bzw. Bewegung.

Hier ein weiterer Beitrag zu diesem Thema:

Sätze, die nicht helfen – Sätze, die helfen

8 Gedanken zu “Depression: Was hilft? Was hilft nicht?

    • Danke dir vielmals für das tolle Feedback. Es ist oft sehr schwer es Außenstehenden zu vermitteln – und erlebte es erst wieder vor wenigen Tagen, als zu einem Betroffenem in einem akuten Stadium gesagt wurde, er möge sich doch bitte zusammenreißen – .. ich wünsche dir alles von Herzen Liebe und drück dich jetzt einfach mal. Glg

      Liken

  1. Die Mutter einer Kollegin hatte so schwere Depressionen, dass sie wie in einen gelähmten Zustand verfiel, unter dem man sie überhaupt nicht erreichen konnte.

    Ich habe übrigens mal eine Untersuchung gelesen, in welcher gesagt wurde, dass nur 1 von 10 Personen Hilfe durch Antidepressiva erfährt. Alle anderen erleben nur die Nebenwirkungen.

    Gefällt 1 Person

    • Das mit der Statistik der Antidepressiva wusste ich nicht, schon heftig. – und ja,Depressionen können auch lähmen, das ist schon eine sehr extreme Form, aber auch die anderen Formen, wo man z.b. nicht mehr imstande ist auch nur im Haushalt mehr etwas zu machen oder man einfach nicht mehr die Wohnung verlassen möchte sind sehr heftig. glg

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s